662

Der europaweite Erfolg des Dacia Logan aus Rumänien hat es deutlich gezeigt: Preisgünstige Kompaktwagen liegen voll im Trend. Das Nachbarland Bulgarien ist seit dem 1. Januar 2007 nicht nur Mitglied in der EU: Seit mehr als zwei Jahren arbeiten die Studenten der Technischen Universität von Sofia am ersten „Automobil Made in Bulgaria“. Anfang Februar enthüllten der Rektor der Fakultät, Prof. Kamen Vesselinow, und seine Studenten im Nationalen Museum Man and Earth von Sofia das erste 1:1 Concept Car.

Dabei war der Rahmen für die Hochschüler eng gesetzt: Um sowohl auf dem heimischen als auch auf dem internationalen Markt erfolgreich sein zu können, muss das Auto nicht nur Platz für vier bis fünf Personen bieten, sondern auch zu einem Verkaufspreis zwischen 7.500 und 8.500 Euro realisierbar sein.

Das Ergebnis erstaunte nicht nur die zur Premiere geladenen Gäste, zu denen auch so prominente Vertreter der deutschen Autoindustrie wie Mercedes-Benz Designchef Peter Pfeiffer gehörten: Der „Univers“ besticht durch sein aufregendes Design und könnte durchaus auch aus einem italienischen oder kalifornischen Designstudio stammen.

Die optische Umsetzung der Aufgabenstellung ist dem Team der TU Sofia schon einmal hervorragend geglückt. Die markante Front mit den tropfenförmigen Hauptscheinwerfern und der durch die Formgebung der Lufteinlässe „lächelnden“ Frontschürze verleiht dem feuerroten Concept Car sein charakteristisches Gesicht.

Die gleiche Formensprache findet sich an der für ein optimales Raumangebot steil abfallenden Heckpartie wieder. Von der Seite wirkt der Prototyp durch die Kombination aus einer langen, stark geneigten Frontscheibe, einer nach hinten abfallenden Dachlinie und einer tief nach unten gezogenen Schwellerparte betont sportlich. Attraktive Details wie die Spiegelblinker und die in die Fensterrahmen der Türen integrierten Griffe zeigen deutlich, dass man sich bei der Formgebung modern orientierte.

Initiiert wurde dieses Projekt von Prof. Sasho Draganov, Leiter des Bereichs Industrial Design an der Technischen Universität von Sofia, und seinem deutschen Kollegen Prof. Harald Leschke, Direktor Advanced Design Projekte bei DaimlerChrysler.

Schnell konnten Partner aus der Industrie gefunden werden, um die Studenten tatkräftig zu unterstützen. Aus Deutschland sagten spontan DaimlerChrysler sowie Reifenhersteller Fulda zu. Mit Samsung und seinem Chefdesigner Harry Choi begeisterte sich sogar ein koreanischer Konzern für die Vision eines bulgarischen Autos. Den gesamten Bereich des Business-Plans sowie Market Research und Marketing Strategien entwickelten die Studenten in den 2-jährigen Vorlesungen von Prof. h.c. Bodo Buschmann an der Wirtschaftsfakultät der Uni Sofia.

Nachdem Sliven, die achtgrößte Stadt des Landes, nicht nur ein traditioneller Industriestandort ist, sondern auch eine Zweigstelle der TU Sofia beherbergt, konnte der Bürgermeister schnell überzeugt werden, das Projekt zu unterstützen. Und der ist nicht nur in Bulgarien alles andere als ein Unbekannter: Yordan Letchkov, früher Nationalspieler und Profi beim Fußballbundesligisten Hamburger SV, setzt sich mit großem Enthusiasmus dafür ein, die Idee zu verwirklichen und wenn möglich auch die Produktion in die Stadt an der wichtigsten Verkehrsader des Landes zwischen Burgas am Schwarzen Meer und Sofia zu holen.

In den letzten zwei Jahren lernten die beteiligten Studenten von der Pike auf, wie man das Design eines Autos entwickelt und bis zum fertigen 1:1 Modell ausarbeitet. Die Präsentation des Univers Concept Car war aber nur ein weiterer Schritt auf dem Weg zu einem fertigen Auto. Bis zum Frühsommer 2007 soll der erste fahrfertige Prototyp aufgebaut werden.

Damit werden die Studenten von der reinen Designphase in den Engineering-Prozess wechseln. Hier ist die hohe Hürde zu nehmen, die heutigen Sicherheitsstandards mit relativ einfacher und damit preisgünstiger Technik zu erfüllen. Parallel werden an der Universität die Studien weiter vorangetrieben, wie man das Projekt bis hin zum Aufbau einer Produktion des ersten Autos aus Bulgarien weiter vorantreiben kann.

Wenn sich Investoren finden und es auch gelingt, die nötigen EU-Fördergelder aus Brüssel zu bekommen, könnte der Traum wahr werden. Denn ein Auto, das gut aussieht, preisgünstig und sparsam ist und dennoch vor allem in Sachen Sicherheit auf dem Stand der Zeit ist, hätte nicht nur auf dem heimischen Markt eine reelle Chance.

Text and photos courtesy of Univers

»crosslinked«